Werke von Warja Lavater im Literaturmuseum Romantikerhaus

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Unter dem Titel „Punkt, Fläche, Strich. Warja Lavater – Künstlerbücher und Symbolnotationen“ präsentiert das Literaturmuseum Romantikerhaus gemeinsam mit Carol Ribi (Berlin) eine Auswahl von Werken der Schweizer Grafikerin, Buchkünstlerin und Malerin Warja Lavater. Zum ersten Mal nach ihrem Tod wird ihr Œuvre in einer Werkschau in Deutschland gewürdigt.

Internationale Bekanntheit erlangte Warja Lavater (1913-2007) mit ihrem Künstlerbuch „Wilhelm Tell“, das 1962 vom Museum of Modern Art in New York und von der Basilius Presse in Basel herausgebracht wurde. „Wilhelm Tell“ ist neben zahlreichen weiteren Werken in der Ausstellung zu sehen. Diese Faltbücher enthalten allerdings keine gewöhnlichen Illustrationen, sondern Bildfolgen von abstrakten Zeichen. Dafür prägte Lavater die Begriffe Folded Stories und Imageries.

Noch bevor die Kunstwelt von Artists’ Books sprach, hatte Lavater das Buch als künstlerisches Experiment für sich definiert. Diese Form der Zeichenschrift erprobte sie dann über viele Jahre in den unterschiedlichsten Medien und Formaten. So sind in der Ausstellung auch Filme und Gemälde zu sehen.

Plakat: Romantikerhaus / Städtische Museen Jena / JenaKultur

In Lavaters Œuvre ist die großformatige Leinwand allerdings die Ausnahme. In der Ausstellung werden vier dieser raren Gemälde präsentiert, wie zum Beispiel „Liberté“ (1972), das die schwer zu erreichende individuelle Freiheit thematisiert. „Was dann?“ (1973)  beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Informationskanälen wie Zeitung, Radio und Fernsehen, die je nach sozialer Schicht anders rezipiert werden. Das Werk „Manifestation“ (1968) besticht durch seine unkonventionelle Gestaltung: Es stellt eine Ansammlung von Menschen an einer Demonstration in Paris im Jahr 1968 dar, die Figuren sind dabei aus Schuhbändeln geformt.

Nach ihrer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich gründete die junge Warja Lavater mit ihrem späteren Lebenspartner Gottfried Honegger ein Grafik-Atelier in Zürich, das sich durch ihren Entwurf des Logos für den damaligen Schweizerischen Bankverein – der heutigen UBS – einen Namen machte. Nach dem Krieg war das Atelier des Künstlerpaars Honegger-Lavater ein Treffpunkt der Kunstszene der 1950er Jahre: Es verkehrten bei Ihnen unter anderen Le Corbusier, Max Bill und Max Frisch, aber auch Bejmanim Britten, Al Held oder Sam Francis kamen zu Besuch.

Punkt, Fläche, Strich. Warja Lavater – Künstlerbücher und Symbolnotationen: noch bis zum 24.Juli 2022 im Literaturmuseum Romantikerhaus, Unterm Markt 2a, Jena. Weitere Informationen sind zu finden unter www.romantikerhaus-jena.de!