Immer wieder dienstags

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In der Musiklandschaft Jenas ist er eine feste Institution: Rüdiger Mund! Viele werden ihn kennen vom „Rudi Tuesday“ – jeden Dienstag spielt er wöchentlich seit über 20 Jahren im Irish Pub in der Bachstraße. Wir trafen den stets gut gelaunten Musiker anlässlich der Veröffentlichung des neuesten Albums „Before The Petrichor“ seiner Rudi Tuesday Band und sprachen mit ihm über seinen musikalischen Weg.

„Ich kann mich noch lebhaft an meinen ersten Liveauftritt erinnern. Das war 1986 in Jena, zwei Tage hintereinander vor ungarischen Austauschstudentinnen. Im Großen und Ganzen spielte ich Coversongs, aber ich hatte auch schon eigenes Material dabei. Toll war das aber nicht“, lacht der Musiker beim Blick zurück auf seine musikalischen Anfänge, ohne dabei groß in Nostalgie zu verfallen. „An die beiden Tage kann ich mich gut besinnen, aber es ist manchmal durchaus knifflig, solche Erinnerungen zurückzuholen und zeitlich richtig einzuordnen. Alles hat seine Zeit und der Blick zurück war nie so mein Ding.“

Ende der 80er Jahre gründete der Musiker seine erste Band, Highway 61 – benannt nach einem Song und einer Platte von Bob Dylan. „Das war die einzige LP, für die ich bereit war, 125 Mark zu bezahlen. Ich kannte jemanden, der Platten aus dem damaligen Westen besorgen konnte – natürlich zum entsprechenden Preis. Aber nur für Bob Dylan war ich am Ende auch willens, das Geld auf den Tisch zu legen“, sieht Rüdiger Mund noch heute sein hart erspartes Geld davonfliegen. „Mit Highway 61 haben wir rein akustisch angefangen, weil wir einfach nur Musik machen wollten. Aber der Wende sei Dank waren dann Anfang der 90er auch elektronische Gitarren bezahlbar.“

Rüdiger Mund in seinem Element.
Foto: Henryk Schmidt

Für Rudi, wie er von seinen Freunden und musikalischen Mitstreitern genannt wird, war ein Leben als Berufsmusiker immer ein erstrebenswertes Ziel. Überstürzen wollte er es damit aber nicht: „Ich habe es nicht direkt darauf angelegt, von der Musik Leben zu können. Ich besitze ja keinerlei musikalische Ausbildung – von drei Jahren Gitarrenunterricht mal abgesehen, aus denen ich am Ende rausgeflogen bin, weil ich nicht mitgearbeitet habe. Alles andere ist learning by doing. Mit diesem Hintergrund war ich zunächst wirklich vernünftig und habe erst einmal eine Ausbildung abgeschlossen.“ Zwanzig Jahre arbeitete er anschließend als Zahntechniker und machte Musik nebenbei, bevor er den Schritt in das Berufsmusikertum wagte. „Die finanzielle Sicherheit meines Jobs aufgeben – da hatte ich natürlich auch so meine Bedenken. Aber da ich mein Booking und ähnliche Sachen immer selbst gemacht habe, hatte ich mir ein ordentliches Netzwerk aufgebaut. Damit konnte ich den Sprung in das mittlerweile nicht mehr ganz tiefe Wasser angehen – und es klappt seit 20 Jahren.“

In bestimmte Kategorien lässt sich die Musik von Rüdiger Mund nicht wirklich einordnen – und das muss auch gar nicht sein. Sicher, man hört man die Einflüsse von Folk, Rock und US-Country, auch der Blues blitzt ab und an durch. Am treffendsten wäre wohl das Genre „Americana“, welches all diese Einflüsse sammelt. Die Songs reichen von beschwingt bis hin zu melancholisch, haben aber immer einen freudigen, unbeschwerten Unterton. „Es ist schön, dass das so herausgehört wird, denn genauso ist es auch gewollt. Das Leben hat hier und da ein paar schwierige Wege zu bieten, aber trotzdem muss es gefeiert werden! Das soll auch in meiner Musik hörbar sein.“

Parallel zu Highway 61 gab es auch die Band „Stöcke und Steine“, die vielen Musikfreunden in und um Jena sicher noch ein Begriff ist und insgesamt 3 CD´s veröffentlichte. Im Jahr 2014 erschien dann sein erstes deutschsprachiges Album als Solo-Künstler: „Kommen und Gehen oder das Ende ist was für Anfänger“ wurde prompt für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Wie kam es denn dazu? Rudi schmunzelt: „Ich weiß es wirklich nicht. Das habe ich nie hinterfragt. Ich habe nichts davon gewusst und war von der Nominierung sehr überrascht. Natürlich habe ich mich wahnsinnig darüber gefreut, das ist vollkommen klar. Aber ich kann das schon gut einordnen. Das ist toll für meine Vita, ich weiß aber auch, wo ich herkomme.“

Musikalisch besonders beeinflusst haben Rüdiger Mund seine Besuche in den USA. „Was ich da für großartige Musiker gehört habe, das ist der helle Wahnsinn. Gerade im Mittleren Westen erlebt man unglaubliche Abende. Das Land ist weit, viel ist nicht los, weil alles ewig voneinander entfernt ist. Deswegen treffen sich die umliegenden Farmen am Freitag Abend und machen gemeinsam Musik. Da sitzen dann schon mal 90-jährige, vom Arbeitsleben gezeichnete Männer und spielen die wunderschönsten Songs auf Banjo und Mundharmonika. Diese Erlebnisse inspirieren mich immer wieder.“

Rüdiger „Rudi“ Mund veröffentlichte kürzlich mit der „Rudi Tuesday Band“ ein neues Album.
Foto: Rüdiger Mund

So auch auf dem kürzlich erschienen Album „Before the Petrichor“der Rudi Tuesday Band. Der Name der Band ist natürlich abgeleitet von den wöchentlichen Solo-Auftritten am Dienstag Abend im Irish Pub in der Bachstraße, die für den Musiker nach wie vor ein Highlight sind. „Für mich ist es unfassbar, dass ich das so lange machen darf.

Ich bin sehr dankbar dafür, es gibt Gäste, die kommen sogar jede Woche. Dort im Pub haben sich Leute von mir verabschiedet, weil sie nach dem Studium in eine andere Stadt oder gleich ganz ins Ausland gezogen sind. Wenn diese dann nach vielen Jahren Jena wieder einen Besuch abstatten, sind sie immer ganz erstaunt, dass es den „Rudi Tuesday“ im Irish Pub immer noch gibt.“

Als Musiker und Komponist kommen ihm die wöchentlichen Auftritte natürlich zu Gute. „Dort kann ich auch mal was ausprobieren. Manchmal denke ich in leichter Selbstüberschätzung, das ich einen fantastischen neuen Song geschrieben habe, der alle sofort begeistern wird. Wenn ich ihn dann erstmalig spiele, passiert: nichts!“, lacht Rüdiger Mund, der vor allen Dingen Musikfan geblieben ist und auch in Zukunft noch einiges vorhat. „Dann arbeite ich an dem Song, spiele die neue Version drei Wochen später noch einmal und siehe da: er zündet! Das Publikum im Pub, wo immer eine Geräuschkulisse nebenbei herrscht, hat stets ein gutes Gespür für Musik.“

Um das ganze Schaffen von Rüdiger Mund abzudecken, ließen sich noch viel mehr Zeilen Text füllen. Deshalb ist unbedingt ein Besuch auf seiner Website empfohlen. Unter www. ruediger-mund.de gibt es zahlreiche Infos, Rück- und Ausblicke und alle kommenden Live-Termine!

Dieser Text erschien in Ausgabe Nr. 160 im Stadtmagazin07.