Am 1. Mai 1926 – also vor nunmehr ganz knapp einhundert Jahren – gründete Adolf Reichwein in Jena am Beutenberg ein Volkshochschulheim im Sinne eines sogenannten Jungarbeiterheimes. Daran soll am Mittwoch, 29. April in ganz unterschiedlichen Veranstaltungen erinnert werden.
Adolf Reichwein war Pädagoge, Kulturpolitiker, als Widerstandskämpfer und Sozialdemokrat Mitglied des sogenannten Kreisauer Kreises und wurde 1944 vom NS-Regime im Kontext des Hitler-Attentates ermordet. Seine Biografie ist umfangreich, seine Lebensstationen kannten viele Orte – unter anderem auch Jena. Hier war er von 1925 bis 1929 der Leiter der Volkshochschule. Mit seiner reformpädagogischen Überzeugung war es ihm ein Anliegen, junge Menschen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern. So gelang ihm mit Unterstützung der Firmen Zeiss und Schott die Gründung und der Betrieb eines Jungarbeiterheimes, in dem Jugendliche zusammenlebten, aber sich neben ihrer Tätigkeit oder Ausbildung in den genannten Unternehmen auch weiterbildeten. Reichwein war der Meinung, dass gemeinsames Tun den Charakter stärkt und zur demokratischen Erziehung beiträgt.

Foto: vhs Jena
An die Gründung vor einem Jahrhundert will die vhs Jena mit diversen Veranstaltungen erinnern und auch den Blick in die Zukunft richten. Keine geringere als die 85-jährige Sabine Reichwein, die jüngste Tochter von Adolf Reichwein, wird aus diesem Anlass nach Jena kommen und die Veranstaltungen aktiv begleiten.
Die Veranstaltungen im Überblick
Um 9.30 Uhr ist die vhs mit dem Thema „Adolf Reichwein – seine Ideen zur Politischen Bildung an der vhs Jena“ zu Gast im Mittwochskreis des Lutherhauses in der Hügelstraße 6a. Zunächst erfolgt ein Impulsvortrag von Pierre Schmuck (Uni Freiburg im Breisgau) mit einer Einführung Adolf Reichweins als politischen Pädagogen, seine Ausgangs- und konzeptionellen Überlegungen und Auszügen aus Reichweins Kursangebot an der vhs Jena als Schlaglicht auf seine praktischen Ansätze. Außerdem werden Einblicke in die Gründung des Volkshochschulheimes als Einübung demokratischer Praktiken durch „Selbstverwaltung“ gegeben.
Nach dem kurzen Vortrag moderiert Dr. Angela Anding (Leiterin der vhs Jena) eine Gesprächsrunde mit Pierre Schmuck, Sabine Reichwein und Gudrun Luck (ehemalige Leiterin der vhs Jena). Hierbei soll es nicht zuletzt auch um den privaten Mensch Adolf Reichwein gehen. Diese Veranstaltung ist öffentlich und weitere Gäste sind herzlich willkommen.
Anschließend ist Sabine Reichwein zu Gast im Adolf-Reichwein-Gymnasium (Teilnahme nur nach Rücksprache ggf. möglich). Bei der internen Veranstaltung stellen Schülerinnen und Schüler Fragen zu Adolf Reichwein, dem Aufwachsen in der Familie Reichwein, zum familiären Miteinander und kommen mit Sabine Reichwein ins Gespräch.
Ab 17.30 Uhr geht es weiter im vhs-Seminarzentrum in der Grietgasse 6. Ganz im Zeichen von Adolf Reichwein entstand eine Beschilderung, die sich an einer Reise Reichweins im Jahr 1928 orientiert und die als legendär in die Geschichte der vhs Jena einging. Das Projekt entstand im Freiwilligendienst der vhs.
Ab 18.30 Uhr spricht Pierre Schmuck über das Thema „Politische Bildung in Thüringen zwischen 1919 und 1932“.
Erinnern an Adolf Reichwein: am 29. April 2026 an verschiedenen Orten in Jena. Eine Anmeldung ist erwünscht – persönlich, per Mail, online oder telefonisch. Alle Kontaktdaten sind zu finden unter www.vhs-jena.de!
Text: PM vhs Jena












































































































































































































