Enno Bunger: „Es gibt immer etwas zu gewinnen.“

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Ende Januar erschien Enno Bungers neuestes Album „Der beste Verlierer“, welches er im Rahmen der dazugehörigen Tour am 26. März auch live in Jena vorstellen wird. Wir verabredeten uns mit dem gebürtigen Ostfriesen zu einem kurzweiligen und interessanten Gespräch über seine Musik und seine intensiven Texte, die anstehenden Konzerte, Dad-Jokes – und über seine Pudeldame Emma!

Hallo Enno Bunger, ihre Pudeldame Emma hat es auf das Cover ihrer neuen Platte geschafft. Wie geht es ihr?

Enno Bunger: Emma geht es blendend, Danke der Nachfrage! Wir waren gerade noch eine Runde draußen und dementsprechend ist sie jetzt ziemlich happy.

Pudeldame Emma ist auf dem Cover von „Der beste Verlierer“, der neuen Platte von Enno Bunger, zu sehen.

Kommt sie mit dem neu gewonnenen Ruhm gut zurecht?

Enno Bunger: Absolut. Sie ist nach wie vor auf dem Boden geblieben und ein ruhiger Hund ohne Starallüren. Dafür wurde ihr unter anderem letzte Woche der No-Bell-Preis verliehen.

Sehr gut! Eine prima Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass Sie großer Fan von Dad-Jokes sind und diese stets auf ihren Platten verstecken – es lohnt sich, da genauer hinzuhören! Trotzdem überwiegen die melancholischen und nachdenklichen Textzeilen in ihrer Musik und auf dem neuen Album. Im Song „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ haben sie zum Beispiel ihre Depression öffentlich gemacht. War es an der Zeit für diesen Schritt?

Enno Bunger: Eigentlich habe ich meine Krankheit auch schon vorher besungen, aber mehr auf eine verklausulierte und künstlerische Weise. Aber jetzt benenne ich es auch so: Hey Leute, das ist ´ne Depression! Ich habe einfach gemerkt, dass es mir stets geholfen hat, wenn ich in meinem Umfeld offen darüber gesprochen habe. Anschließend erfuhr ich eigentlich immer Unterstützung – oder es wurde sogar gesagt: Enno, weißt Du was? Mir geht es genauso, Du bist damit nicht allein. Besonders in der Coronazeit fanden zudem zahlreiche Personen den Mut, ihre Erkrankung öffentlich zu machen. Das alles hat mich in der Summe bestärkt, diesen Schritt jetzt ebenfalls zu gehen. Ein befreiendes Gefühl.

Im Song „Weltuntergang“ heißt es: „Alles hört auf, komm wir fangen was an“. Ist es also nie zu spät, mit etwas Neuem zu beginnen?

Enno Bunger: Die Idee hinter dem Song ist, das Beste aus der jeweiligen Situation herauszuholen. Es gibt oft Momente, in denen man ganz in einer Sache versinkt und die Welt um sich herum kaum noch wahrzunehmen scheint. Das muss gar nicht immer negativ besetzt sein, auch in schönen Dingen kann man sich vollends verlieren. Aber immer kann so etwas der Beginn von etwas Großartigem sein – auch wenn dies zunächst gar nicht zu erkennen ist.

Enno Bunger
Foto: Jan Seebeck

Die Platte bietet kluge Texte und hat mit Lina Maly und Sebastian Madsen tolle Gäste am Start. Trotzdem sollten wir auch über die Musik an sich sprechen, denn auf „Der beste Verlierer“ lassen sich viele ins Ohr gehende Melodien finden.

Enno Bunger: Musikalisch wollte ich ein warmes und freundliches, vielleicht sogar sonniges Album machen. Das abwechslungsreich und eingängig zugleich ist und genügend Platz bietet, um es in den verschiedensten Situationen zu hören. Ein Platte, die einem zeigt, das neben all der Enge auch noch viel Platz zum Atmen ist.

Das hat funktioniert. Beim Hören entsteht das wunderbare Gefühl, dass die Musik einem auf die Schulter klopft, aufmuntert und sagt: alles wird gut!

Enno Bunger: Das ist schön zu hören. Es freut mich, dass es so aufgenommen wird, denn genau so war es auch gedacht. Die Musik soll wie ein Kontrastmittel wirken – in schweren Zeiten müssen wir die wertvollen Momente umso mehr genießen und aus ihnen Kraft schöpfen. Auch wenn die Themen auf dem Album meist ernst und die Zeiten für fast Alle von uns hart sind, gibt es immer etwas zu gewinnen.

Sie sagten einmal, dass sie Musik machen, um sie auf der Bühne zum Leben zu bringen. Auf was können sich die Gäste ihrer Konzerte also freuen?

Enno Bunger: Wir werden ein langes Set spielen, zwei Stunden werden definitiv geknackt. Mittlerweile kann ich ja auf Stoff von fünf Alben zurückgreifen, die man toll miteinander verknüpfen kann – und das nutzen wir voll aus. Dazu unterstützt mich eine großartige Live-Band und eine schöne Lichtshow macht das Bühnenbild rund. Es wird gemeinsam geweint und gelacht. Und leise Klavierballaden sowie absolute Eskalation wechseln sich während des Konzerts dann auch gerne mal ab – es wird auf jeden Fall ein sehr intensiver Abend! Ich freue mich drauf!

Enno Bunger, vielen Dank für das Gespräch!

Enno Bunger – Der beste Verlierer Tour: am 26.03.2024 um 19.45 Uhr im Kassablanca Jena. Karten sowie weitere Informationen sind zu finden unter www.kassablanca.de!

Interview: Michael Stocker
Dieses Interview erschien in Ausgabe 157 im Stadtmagazin07.