Skandal!

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Eigentlich sollte „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte, eine Kooperation zwischen Theaterhaus Jena und der Jenaer Philharmonie, bereits im Januar 2021 seine Uraufführung erleben. Aus bekannten Gründen musste das Stück zunächst auf Mai letzten Jahres verschoben und dann trotzdem erneut abgesagt werden. Unser Gespräch über das Stück mit Lizzy Timmers vom Theaterhaus Jena und Simon Gaudenz von der Jenaer Philharmonie haben wir also schon vor längerer Zeit geführt – aber es hat nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Musik bedeutet für die meisten von uns ja vieles: absoluten Hörgenuss, willkommene Entspannung oder einfache Begleitung im Alltag. Für manche ist Musik zudem auch Selbstverwirklichung – besonders dann, wenn sie nicht nur konsumiert, sondern aktiv erschaffen wird. Dabei ist es ganz egal, ob Musik neu kreiert oder mit Instrumenten oder einer Stimme hörbar gemacht wird.

Das Plakatmotiv zu „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“
Foto: © Jan van der Burg

Daneben war Musik aber seit jeher auch für etwas anders gut: Skandale aller Arten! Diese gab es bereits, als allein die Klassik die Musikwelt dominierte. „Dabei muss man aber fairerweise festhalten: die Relevanz der klassischen Musik war für die gesamte Gesellschaft eine ganz andere als heute. Insofern war ein Skandal bei einer Uraufführung auch immer gleich ein gesamtgesellschaftlicher Skandal“, schaut Simon Gaudenz, Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie, in der Zeit zurück. „Heute bleibt so ein Aufreger eigentlich nur noch dem jeweiligen musikalischen Kosmos vorbehalten.“

Wo beginnt der Skandal?

Doch was zeichnet einen musikalischen Skandal eigentlich aus? Ist es allein ein neuer, unerhörter musikalischer Ansatz oder sind es auch Begleiterscheinungen wie radikales Auftreten oder Verhalten der KünstlerInnen? Lizzy Timmers, Schauspielerin und gleichzeitig Regisseurin des Stückes, erkennt durchaus Zusammenhänge: „Beide Aspekte greifen mehr oder weniger ineinander. Wir stellen uns deshalb auch in unserem Stück die Frage: was ist neben dem Musikalischen auch kollektiv in der jeweiligen Zeit passiert? Dazu tauchen wir in so manche gesellschaftliche Momente ein, indem wir einen Blick auf die Biographien der KünstlerInnen werfen.“

Beispielhaft soll einmal Alma Mahler genannt werden, die Frau des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Alma Mahler hat ebenfalls ein großes kompositorisches und vor allen Dingen hochtalentiertes Schaffen vorzuweisen, doch konnte es nie wirklich professionalisieren. Der Grund: Gustav Mahler duldete keine musikalische Konkurrenz neben sich im eigenen Haus. Er hat seiner Ehefrau also kurzum untersagt, ihre Kunst weiter zu verfolgen. Sei es nun dem damaligen Zeitgeist oder der Abhängigkeit von ihrem Gatten geschuldet – Alma Mahler hat sich daran gehalten.

Solche Geschichten lassen sich wohl in nahezu allen Lebensbeschreibungen großer KünstlerInnen finden. Diese beeinflussen natürlich auch das Schaffen der betroffenen Personen. Und genau das wird „Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“ abbilden: die SchauspielerInnen des Theaterhaus bringen die Fixpunkte des Lebens auf die Bühne, das Orchester der Jenaer Philharmonie setzt das jeweilige musikalische Schaffen zeitgleich mit prägnanten, live gespielten Fragmenten daneben. Lizzy Timmers: „Es wird in unserer Aufführung viele Biographien zu entdecken geben. Neben Alma Mahler schlüpfen unsere SchauspielerInnen unter anderem auch in die Rollen von Igor Strawinsky, Arnold Schönberg, John Cage oder der isländischen Sängerin Björk.“

Lizzy Timmers
Foto: © Felix Adler

Musikgeschichte wird nachgezeichnet

Doch die Biographien allein stehen nicht im Vordergrund der Aufführung – ebenso gleichberechtigt wird auch die Faszination der Neuerungen in der Musik aufgezeigt. Simon Gaudenz: „Es lässt sich im Stück schön nachvollziehen, wie sich klassische Musik zu moderner Musik entwickelt hat. Wir gehen dabei nicht allzu weit zurück, aber fangen doch im 20. Jahrhundert bei Richard Strauß an und gehen den Weg konsequent bis heute weiter. Wir haben viele Stücke der jeweiligen zeitlichen Epoche herausgesucht, die genau diesen musikalischen Werdegang zeigen werden.“

Musik – Etappen einer Skandalgeschichte wird also eine spannende sowie lehr- und vor allem hörreiche Aufführung, auf die es sich gelohnt hat zu warten!

„Musik – Etappen einer Skandalgeschichte“: am 15.02. (öffentliche Probe), 16.02. (Premiere), 17.02. und 18.02.2022 um jeweils 20 Uhr am Theaterhaus Jena. Weitere Informationen sowie Karten sind erhältlich unter www.theaterhaus-jena.de! Neuigkeiten zur Philharmonie Jena gibt es unter www.jenaer-philharmonie.de!

Ebenfalls im Februar am Theaterhaus Jena: „Sladek“ (am 23.02., 24.02., 25.02 und 26.02. um jeweils 20 Uhr).

Dieser Text erschien in Ausgabe Nr. 136 des Stadtmagazins 07.