35 Jahre Theaterhaus Jena!

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Seit nunmehr 35 Jahren prägt das Theaterhaus Jena die Kulturlandschaft der Stadt – mit facettenreichen Inszenierungen, mutigen Ideen und wechselnden künstlerischen Handschriften. Anlässlich dieses Jubiläums lädt das Haus Ende Oktober und Anfang November zu einer Festwoche ein, die unter anderem ausgewählte Produktionen aus vergangenen Spielzeiten noch einmal auf die Bühne bringt.

Wir stellen deshalb das Programm in chronologischer Reihenfolge seiner Premieren vor. Eine gute Gelegenheit, Theatergeschichte lebendig werden zu lassen und zugleich Menschen wiederzubegegnen, die das Haus geprägt haben.

Bernhard Dechant in Braveheart.
Foto: Daniel Partke

Mit fünf Oscars ausgezeichnet, wurde der Film schnell zum Publikumsrenner. Seit dem Kinostart läuft er auch in einem kleinen Kino in der deutschen Provinz. Jeden Abend wird Mel Gibson zu William Wallace, jeden Abend liebt er, kämpft er und verliert am Ende doch. Bisher 3651+x-mal. Ausgerechnet bei der Jubiläumsvorstellung geschieht das Undenkbare: Der Filmprojektor gibt noch während des Vorspanns den Geist auf. Der Filmvorführer, der selbst keine Vorstellung verpasst hat, ist ratlos. Der Projektor lässt sich nicht wieder in Gang bringen. Das Publikum will den Saal verlassen. Der Abend droht zur Katastrophe zu werden. Deshalb trifft der Filmvorführer eine Entscheidung: Er wird den Film erzählen. Er wird alle Rollen übernehmen. Er wird die schottische Landschaft spielen und, wenn es sein muss, auch die Schafe. Aber vor allem wird er selbst zu William Wallace. Ein Filmvorführer befreit Schottland!

Das Stück stammt aus der Feder von Bernhardt Dechant, der es damals wie heute als Solo aufführt. Dechant war von 2004 bis 2008 Ensemblemitglied am Theaterhaus Jena und lebt heute wieder als freier Schauspieler und Regisseur in seiner Geburtsstadt Wien.

Die Auseinandersetzung lieferte dem Theaterkollektiv Wunderbaum, das von 2018 bis 2024 die Leitung des Theaterhauses Jena innehatte, den Stoff für ein eigenes Stück: In der thüringischen Provinz sucht ein Schauspielkollektiv nach einem Thema für eine Inszenierung, die überregional möglichst viel Aufmerksamkeit erregen soll. Da sich das als Herausforderung erweist, beschließen die Beteiligten, die „Hundekot-Attacke“ als Grundlage zu nehmen – die wahre Begebenheit, die wochenlang durch die Medien ging und als Angriff auf die Pressefreiheit und die demokratische Kultur gewertet wurde. Während der Proben bekommen sie jedoch Angst, selbst zu personae non gratae zu werden. Es kommt zum Streit, der das Kollektiv zu sprengen droht.

Szene aus „Die Hundekot-Attacke“.
Foto: Joachim Dette

Die Produktion gilt als eine der überraschendsten überregionalen Theatererfolge der jüngeren Zeit. „Die Hundekot-Attacke“ wurde zum 61. Berliner Theatertreffen eingeladen, was für ein kleines Haus wie das in Jena fast schon einem Ritterschlag gleicht. Das Kollektiv der Autorinnen und Autoren hinter dem Stück wurde mit dem 3sat-Theaterpreis 2024 ausgezeichnet. Zudem erhielt Ensemblemitglied Nikita Buldyrski für seine schauspielerische Leistung den Alfred-Kerr-Darstellerpreis.

Im Frühjahr 2025, kurz vor ihrem beruflichen Abschied, hat Theaterhaus-Mitgründerin Andrea Hesse in ausführlichen persönlichen Gesprächen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse als langjährige Pressesprecherin und Mitarbeiterin des Hauses berichtet.

Foto: Joachim Dette

Angela Hausheer und Rainer Frank, die das Theaterhaus aus ihrer Zeit als Mitglieder des Gründungsensembles noch gut kennen, haben die Gesprächsmitschnitte zu einem Hörstück verdichtet.

Moritz Schönecker war von 2011 bis 2018 zusammen mit seinem Bruder Benjamin Schönecker und Veronika Bleffert Teil der künstlerischen Leitung am Theaterhaus Jena. Heute arbeitet er als freier Regisseur und als Leiter und Initiator der inklusiven Theatergruppe „Theater Bastet“.

Das inklusive Theater Bastet.
Foto: Jessica Beetz

Einmal pro Woche treffen sich dort Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, um Theater zu spielen und eigene Stücke von der ersten Idee bis zur Aufführung zu entwickeln. Für Moritz Schönecker stehen die persönlichen Geschichten, Ideen und Talente der Ensemblemitglieder im Vordergrund. In ihrer neuen Produktion „Traum und Alltag“ nimmt die Gruppe das Publikum mit auf persönliche Reisen zu Träumen, Sehnsüchten und Lieblingsorten. Mit Spiel, Gesang und Tanz entstehen poetische und humorvolle Szenen voller Überraschungen.

Zu guter Letzt sei auch die hochkarätig besetzte Gesprächsrunde empfohlen, die die Jubiläumswoche mit einem anregenden Austausch begleitet. Wie bleiben wir handlungsfähig in einer Welt, in der Spielräume enger werden und immer mehr vorgegeben scheint? Welche Rolle kann dabei Kunst spielen? Wie viel Sicherheit brauchen wir, wie viel Risiko müssen wir wagen?

Hartmut Rosa (oben links), Eva Behrendt (oben rechts), Hannah Baumann (unten links), Clemens Leander (unten rechts).
Fotos: Jaromir Kreiliger / Ralf Hiemisch / Felix Adler / Kerstin Schomburg

Es diskutieren Hannah Baumann (Dramaturgin, von 2022 bis 2024 am Theaterhaus Jena), der Soziologe Hartmut Rosa (Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt), Eva Behrendt (Redakteurin der Monatszeitschrift Theater heute und freie Kritikerin), Clemens Leander (Kostümbildner am Theater Magdeburg) und Max Pommer (Leiter des Romantikerhauses Jena).

35 Jahre Theaterhaus Jena: vom 30.10.2026 – 06.11.2026 im Theaterhaus Jena, Schillergäßchen 1. Tickets zu allen Veranstaltungen sowie weitere Informationen sind zu finden unter www.theaterhaus-jena.de!